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Das Weg-Wort - Werktagsgedanken aus der Bahnhofkirche Zürich
 

Leben

Wegwort vom 30. März 2017

In unserer Strasse wurde ein Haus abgerissen. Ein wunderschönes altes, verspieltes Haus. Als die Fenster rausgerissen wurden, sah man hinein: Die Räume lagen bloss und nackt vor einem. Ich blieb einen Augenblick stehen und fragte mich, was dieses alte Haus wohl zu erzählen hätte wenn es bloss reden könnte. Was für Menschen haben hier gelebt, gearbeitet, gelitten, gelacht.

Am nächsten Tag komme ich wieder dort vorbei. Inzwischen wurden auch die Mauern eingerissen und hinter dem alten Haus erblickt man die Mauer des Neubaus, der einst Wand an Wand zum alten zu stehen kam. Dieser Anblick versöhnt mich etwas. Gestern war ich etwas melancholisch beim Anblick der zerstörten Geschichte eines Hauses. Heute entdecke ich, dass die Geschichte weiter geschrieben wird. Manchmal entdecken wir Neues erst, wenn Altes abgerissen wird.
Die Lebensgeschichten, welche sich im alten Haus zugetragen haben sind real. Hier haben Menschen gewohnt und hier hat sich Freud und Leid abgespielt. Daran ändert sich auch nichts, wenn das Haus abgerissen wird. Natürlich tut es weh, möchte ich am alten festhalten. Aber letztlich ist das Haus die Hülle, in der sich Leben abgespielt hat.
Wie oft bleibe ich am äusserlichen hängen und versperre mir so den Blick aufs Wesentliche. Wie oft bleibe ich am Vergangenen hängen und verpasse das Schöne der Gegenwart. Das Wesentliche ist unsichtbar, sagt der Kleine Prinz im gleichnamigen Buch. Und in einer Ode an das Leben heisst es:
Leben kommt - und Leben geht
Leben versteckt sich – Leben entdeckt sich
Leben besteht.

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Hauptbahnhof Zürich.
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Geändert: 30.03.2017
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